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JAN. - JUNI 2017



Petra Engel Abschied nach 15 Jahren
Pfarrsekretärin Petra Engel geht in Ruhestand

Ihre Kirchenbücher werden Petra Engel fehlen. Fein säuberlich mit der Hand hat sie sie jahrelang geführt. Immer wenn ein Gemeindemitglied kirchlich geheiratet, ein Kind bekommen hat oder verstorben ist, musste sie eine Eintragung in den zum Teil mehr als 100 Jahre alten Büchern vornehmen. Aber auch die Menschen, deren Lebenswege hinter diesen Eintragungen stehen, wird Petra Engel vermissen. 15 Jahre lang hatte sie als Pfarrsekretärin in Sankt Josef mit ihnen zu tun, freute sich mit ihnen über Geburten und trauerte auch mit ihnen. "Bei einem Trauerfall war ich Freitagsnachmittags alleine hier und konnte keinen Seelsorger mehr erreichen", erinnert sie sich. Also habe sie dem Hinterbliebenen zugehört. "Am Ende haben wir beide geweint." Solche Geschichten nimmt sie mit, wenn "Schwester Petra", wie ihr Chef, Pfarrer Michael Metzler, sie anfangs gerne nannte, nun in den Ruhestand geht. Aber auch das Gefühl, so etwas wie eine Familie zurückzulassen. "Das Büro war schon mehr als mein Arbeitsplatz."

Gelernt hatte die in Hainburg aufgewachsene Petra Engel den Beruf des Industriekaufmanns bei der Schuhfabrik Hassia in Offenbach. Nach neun Jahren im Familienbetrieb ihres Schwagers wechselte sie zum weltweit größten Reißverschlusshersteller Yoshida nach Mainhausen. "Die produzierten bis zu 100 Meter lange Reißverschlüsse." Ihr Hauptaufgabengebiet war die Lohnbuchhaltung, auch später bei der Degussa, wo sie ihren Mann kennenlernte. Als die beiden Kinder kamen, hörte Petra Engel zunächst auf zu arbeiten. Doch dann bekam sie das Angebot, neben der Kinderbetreuung von zu Hause aus die Buchhaltung für die Förderung der Bewährungshilfe in Frankfurt zu übernehmen.

Im Januar 2001 wechselte sie ins Pfarrbüro von Sankt Josef und wurde dort gleich ins kalte Wasser geworfen, weil die einzige Kollegin, die sie einarbeiten sollte, plötzlich krank geworden war. Mit der Buchhaltung eines großen Unternehmens hatte die Kirchengemeinde wenig gemein. "Die Ablage war ganz einfach, man legte alles obendrauf", erinnert sich Engel. Es dauerte eine Weile, dann erklärte sie dem Pfarrer, sie mache die Ablage jetzt alphabetisch. Die sich rasant entwickelnde Technisierung der Arbeitsplätze begleitete sie ihr Leben lang. "Im Lohnbüro haben wir anfangs das Geld noch bar ausgezahlt." Von Lochkarten über Disketten bis hin zum modernen Computer machte sie alle Entwicklungen mit und arbeitete sich nach dem Zusammenschluss der Gemeinden zur Pfarrei neuen Typs vor gut einem Jahr auch in die neusten Programme ein. "Das war schon heftig, was wir alles ändern mussten. Da waren wir sehr gefordert." Die Zeit im Pfarrbüro sei insgesamt anstrengend gewesen, sagt sie im Rückblick. "Sie hatte aber auch was Besonders, durch die vielen Menschen, mit denen ich zu tun hatte." So ganz ohne die Gemeinde kann Petra Engel auch künftig nicht. Sie hat zugesagt, sich um das Archiv zu kümmern und die Unterlagen zu sichten. Das eine oder andere Mal wird sie dafür sicher im Pfarrbüro vorbeischauen.

Text und Bild: Sabine Börchers