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Aktuelle Seite: Startseite Rückblick Zum Abschied von Monsignore Michael Metzler

JAN. - JUNI 2017



Abschied nach drei Jahrzehnten

Pfarrer Michael Metzler verlässt die Pfarrei

Bild Msgr. Michael Metzler Wenn Michael Metzler zum 15. September 2016 die Leitung der Pfarrei St. Josef Frankfurt am Main abgibt, verlässt er diese als ihr erster Pfarrer. Die neue Großpfarrei wurde erst vor weniger als zwei Jahren am 01. Januar 2015 als Pfarrei neuen Typs gegründet. Pfarrer am Kirchort Sankt Josef Bornheim war er aber bereits seit 30. November 1986 als sechster Bornheimer Pfarrer.

10.881 Tage hat er ganz entscheidend das Leben in und um die Josefskirche in der Berger Straße mit geprägt, wobei für ihn immer die Menschen im Vorder­grund standen.

Verabschieden wird er sich von seiner Pfarrei anlässlich des Pfarrfestes am Sonntag, 11. September 2016

Bilder aus drei Jahrzehnten (Bildwechsel erfolgt automatisch)


Bild Msgr. Michael Metzler Er gehe nicht in den Ruhestand - Pfarrer Michael Metzler wird nicht müde, das zu betonen, wenn ihn mal wieder jemand danach fragt, was er künftig machen wird. Denn zum 15. September gibt der 71-Jährige seine Stelle als Pfarrer von St. Josef Frankfurt am Main ab. Auch auf das Amt des stellvertretenden Stadtdekans, das er seit 18 Jahren ausübt, verzichtet er damit. Doch arbeitslos ist Metzler deshalb noch lange nicht. Das liegt daran, dass er in den vergangenen Jahren gleich zwei Vollzeitjobs innehatte. Parallel zur Pfarrei war er Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes in Limburg. In dieser Funktion ist er zugleich Dezernent des Bischöflichen Ordinariats. Diese Aufgaben - so habe er dem neuen Bischof versprochen - ist er bereit, noch bis zum 75. Lebensjahr wahrzunehmen. "Nach vielen Jahren darf ich mich jetzt auf eine Aufgabe konzentrieren", freut er sich, auch wenn der Abschied von der Gemeinde, die er 30 Jahre lang führte und die im vergangenen Jahr unter seiner Leitung zur Pfarrei neuen Typs ausgebaut wurde und jetzt bis Fechenheim und in den Riederwald reicht, nicht so ganz einfach werden dürfte. „Bislang bin ich noch gelassen, aber ich weiß nicht, wie es Mitte September sein wird”, stellt er fest.

Mit den Josefinern fühlt er sich eng verbunden. „Ich habe 30 Jahre lang Freuden und Leiden mit ihnen geteilt, diese Erfahrungen gehen mit mir”, stellt er fest. Deshalb sei er nicht geknickt, sondern dankbar für das, was er in Bornheim erleben durfte. „Es war für mich eine gute Zeit, ich hoffe, für die Menschen auch.”

Für die hatte Monsignore Metzler trotz seiner vielen Aufgaben immer ein offenes Ohr. Für seine Verdienste ernannte ihn Papst Benedikt XVI. vor fünf Jahren zum so benannten päpstlichen Ehrenkaplan. Und Metzler verkörpert das, was man sich landläufig unter einem Monsignore vorstellt: Italienische Gelassenheit, Menschlichkeit gepaart mit dem Schalk eines Don Camillo und der Freude an irdischen Genüssen wie dem einem oder anderen Gläschen Wein. Bei ihm kommen allerdings deutsche Tugenden wie Verlässlichkeit und das enorm hohe Arbeitspensum hinzu, bei dem er stets betont, wie dankbar er dafür ist, dass so viele Mitarbeiter ihm ermöglichten, all die Aufgaben zu stemmen.

Geleitet wurde Michael Metzler bereits früh in seinem Glauben. Vor 71 Jahren in Unterliederbach geboren, als Kind einer Arbeiterfamilie, war der Weg zu einem geistlichen Beruf nicht gerade vorgezeichnet. Doch sein damaliger Pfarrer förderte den aufgeweckten Jungen, sorgte dafür, dass er Messdiener, dann Obermessdiener wurde. Er überredete auch die Eltern, ihr Kind zum Gymnasium zu schicken, was damals nicht üblich war. Von 40 Schülern sei er der einzige aus einer Arbeiterfamilie gewesen, sagt Metzler. „Das habe ich zu spüren bekommen.” Doch er habe schon immer über ein entsprechendes Selbstbewusstsein verfügt. Nach dem Abschluss der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen war Metzler zunächst Kaplan in Flörsheim und Frankfurt St. Bernhard. Dann wurde er Jugendpfarrer und mit 30 Jahren Bezirksjugendpfarrer in Limburg. Fünf Jahre später stand er als Dezernent für Kinder- und Jugendarbeit insgesamt elf Bezirks­jugendpfarrern vor und war zugleich jüngstes Mitglied der Bistumsleitung. Heute ist er deren ältestes Mitglied. Dazwischen liegen 35 Jahre engagierte Kirchenarbeit, die er mit Spaß und Überzeugung geleistet habe, wie er betont.

Nun aber will er sich aus der Gemeinde zunächst völlig zurückziehen und das Feld seinem Nachfolger überlassen. Bis ein Nachfolger das Amt antritt, soll ein Pfarrverwalter die Aufgaben übernehmen. Bis dahin hat Michael Metzler seine Wohnung im Pfarrhaus endgültig geräumt. In den vergangenen Monaten blieb er dort nur noch zum Übernachten, seinen Hausrat hat er in seine neue Wohnung in Niederrad gebracht. Am Schreibtisch wird er dann künftig nur noch in Limburg sitzen. Vor allem die Kontakte zu den Menschen seiner Gemeinde werden ihm fehlen, da ist er sicher, so wie auch das Feiern des Glaubens an den großen Feste wie der Osternacht und der Christmette.

Den Gemeindemitgliedern wünscht er vor allem, dass sie ihn loslassen und sich auf den neuen Pfarrer einlassen können, um nach vorne zu schauen. Sie werden mit ihm den Weg gemeinsam gehen und ein bisschen vom Reich Gottes im Stadtteil leben, hofft er. „Bei mir war das damals nicht einfach, als ich kam, weil ich ganz anders war als mein Vorgänger”, erinnert er sich. Und auch Michael Metzlers Fußstapfen in der Gemeinde sind nach 30 Jahren nicht eben klein.

Gemeindefest mit Lebewohl

Am Sonntag, 11. September, wird mit Pfarrer Michael Metzler noch einmal so richtig gefeiert. Dann lädt der Kirchort Sankt Josef zu seinem jährlichen Gemeindefest ein. Es beginnt um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, den der Kinderchor, die Junge Kantorei St. Josef und der Kirchenchor St. Cäcilia mitgestalten. Anschließend sind die Besucher zum Frühschoppen eingeladen, bei dem der Frankfurter Musikverein für das passende Platzkonzert sorgt. Nach dem Mittagessen um 12.30 Uhr warten weitere Programmpunkte, etwa eine Führung durch den Weltladen Bornheim, ein Kinderfest und natürlich Kaffee und Kuchen. Um 16.30 Uhr beginnt dann die offizielle Verabschiedung von Pfarrer Metzler. Dabei haben noch mal alle Gemeindemitglieder die Möglichkeit, ihm Lebewohl zu wünschen.

Sabine Börchers, AG Öffentlichkeitsarbeit

 


Die Kirchenzeitung "Der Sonntag" hat in ihrer Ausgabe vom 28. August 2016 Pfarrer Metzler gewürdigt:

„Von 250 auf 100 Prozent”

Pfarrer Michael Metzler geht „nicht in den Ruhestand”, er reduziert die Arbeit

„Ich gehe nicht in den Ruhestand. Das ist ein Missverständnis”, sagt Michael Metzler. Es ist spürbar, dass ihm diese Klarstellung wichtig ist. Ruhestand - das scheint aber auch ein Wort, das sich mit dem langjährigen stellvertre­tenden Stadtdekan Frankfurts kaum verbinden lässt.

Einer für den freie Tage ein Fremdwort sind, der eigentlich immer unter Volldampf wirkt, der tut wohl auch für sich selbst gut daran, nicht von heute auf morgen die Hände in den Schoß zu legen. So hört denn Michael Metzler also korrekt nur im September an der Stelle auf, an der er fast 30 Jahre gewirkt hat. Pfarrer von St. Josef - mittlerweile einer Pfarrei neuen Typs und damit längst nicht mehr „nur” Frankfurt-Bornheim unfassend - wird er vom 16. September an nicht mehr sein.

Auch das Amt des Stellvertreters von Stadtdekan Johannes zu Eltz hat Metzler bereits weitergegeben an Pfarrer Rolf Glaser. So kommt er zu der Rechnung: „Ich reduziere von 250 auf 100 Prozent”. Denn einen Fulltime-Job wird der Mann mit dem markanten weißen Bart, der bald 71 Jahre alt wird, noch behalten. Bis er 75 werde, sagt der vor 46 Jahren geweihte Priester, habe er dem künftigen Bischof Georg Bätzing zugesagt, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes und damit auch Dezernent und Mitglied der Bistumsleitung zu bleiben.

“Wie haben Sie das alles geschafft”, ist Metzler gerade erst wieder gefragt worden. „Das geht nur, wenn man delegieren kann”, lautet seine Antwort. Ein Team haben, vertrauen, anderen etwas zutrauen - das ist für den gebürtigen Frankfurter, der in Unterliederbach katholisch sozialisiert worden ist, unerlässlich. Leitungs­verant­wortung hat er schon früh als 30-jähriger erhalten: als Bezirksvikar und Jugend­pfarrer in Limburg und dann auch als Jugendreferent.

Bild Msgr. Michael Metzler In Flörsheim hat Metzler seine erste Stelle angetreten - eigentlich nur für acht Monate. Doch sein Engagement für die Jugendlichen - „da kam ein junger Kaplan, der praktisch ständig bei der Jugend war”, sagt Metzler - kam so gut an, dass die Pfarrgemeinderäte sogar nach Limburg fuhren, um eine Verlängerung zu erbitten. 22 Monate waren es am Ende. Per Autokorso (mit schwarzem Trauerflor) und unter Glockengeläut gaben die Flörsheimer &bdquoihrem” Kaplan das Geleit zu seiner neuen Frankfurter Pfarrei St. Bernhard. Dass er als „junger, verrückter Kaplan mit vielen Ideen”, so Metzler, einen solch bestärkenden Berufeinstieg fand, einen Pfarrer zudem, der ihm den nötigen Raum dazu gab, empfindet er als großes Glück. “Aus Dankbarkeit den Flörsheimern gegenüber” hat er bis heute keinen „Verlobten Tag” versäumt.

Typisch, dass er im Gespräch noch ein Ohr hat für den Vogel, der gerade im grünen Hof des Pfarrhauses zirpt. „Ich muss gerade mal schauen, ob das die Mönchgrasmücke ist” meint er unvermittelt und freut sich, als er sie entdeckt. Einer eben, dem so schnell nichts entgeht, einer mit wachen Sinnen und einem Blick für das, was dran ist. Als sich 1986 „endlich” sein Wunsch erfüllt, Pfarrer zu sein, übernahm er in Bornheim nicht nur die damals größte Pfarrei im Bistum, er sah auch gleich, dass viel Neuaufbau zu leisten war: geistlich-pastoral wie wörtlich. Mit dem Verwaltungsrat sorgte er dafür, dass aus dem Kirchengrund, der eher unnahbar wirkte, ein Ort wurde, der heute Offenheit vermittelt. Einen Bratwurststand gab es hier sogar mal.

Metzler berichtet nicht ohne Stolz, dass seit der Umgestaltung eigentlich immer Leben sei rund um Kirche und Pfarrhaus. Gern hat er die Idee von Bischof Kamphaus aufgegriffen, letzteres so umzubauen, dass hier auch Kapläne und Priesteramts­kandidaten wohnen konnten. Vielen hat er so etwas weitergegeben von seiner Art, diese Berufung zu leben. „Ich habe nie ein großes Pastoralkonzelt gehabt. Mein Anspruch als Priester war immer, das kann ich in aller Demut und Bescheidenheit sagen, für die Menschen da zu sein.”

Dass es fast 30 Jahre in Bornheim sein würden, habe er nie gedacht. Heraus­forderungen gab es auch so zuhauf. Immer größer ist sein Zuständigkeitsbereich geworden, immer wieder war das gefragt, wofür Metzler schon mal aus bischöf­lichem Mund Bewunderung erhielt: „Sie können Brücken bauen” - für den Seelsorger selbstverständlich wie unverzichtbar.

In Frankfurt wird Michael Metzler bleiben, eine 40-Quadratmeter-Wohnung in einer Caritas-Senioren-Wohnanlage in Niederrad hat er gemietet. „Der Papst hat 50 Quadratmeter in St. Martha, da dachte ich, für einen Pfarrer sollte es noch etwas bescheidener sein.”

Der Abschied von St. Josef ist für den 11. September geplant.

Text und Bild: Barbara Schmidt, „Der Sonntag”

 


Weitere Medienberichte

Das Bistum Limburg berichtet auf seiner Homepage, dass die Frankfurter Pfarrei St. Josef ihre Leitfigur verliert. „Un-Ruhestand für Pfarrer Michael Metzler”

Die Frankfurter Neue Presse widmet am 9. September 2016 einen Artikel dem Abschied von Michael Metzler:    „Pfarrer von St. Josef tritt kürzer”