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JAN. - JUNI 2017



Kirche St. Michael Ein Ort zum Trauern für alle
Pfarrverwalter Metzner hat viel zu tun

Seit Mitte September hat Pfarrer Joachim Metzner zwei Büros, sein übliches in St. Michael in der Butzbacher Straße und ein zusätzliches in Sankt Josef. Er hat dort die Aufgabe des Pfarrverwalters übernommen, nachdem sein fast-Namensvetter Michael Metzler die Gemeinde nach 30 Jahren verlassen hat. "Ich bin so etwas wie der Geschäftsführer, bis der neue Pfarrer im November sein Amt antritt", stellt Metzner fest. Er unterschreibe Rechnungen, sei bei Konfliktfällen der Ansprechpartner und beschäftige sich derzeit vor allem mit dem Organisieren der Gottesdienste und Zelebranten. "Ich führe die Geschäfte im Sinne meines Vorgängers weiter, damit sein Nachfolger in geordneten Verhältnissen beginnen kann. Ich könnte also nicht eigenmächtig alles umkrempeln."

Das will er auch gar nicht. Denn genügend Arbeit hat Metzner ohnehin schon, da er auch seine Tätigkeit in St. Michael weiterführt. Die Kirche, die zwischen dem Günthersburgpark und der Friedberger Landstraße steht, ist seit 2007 "Zentrum für Trauerseelsorge" in Frankfurt und damit deutschlandweit das einzige Projekt dieser Art. "Der Zündfunke zu dieser Idee stammt von Bischof Kamphaus aus dem Jahr 2004", erzählt Metzner. Damals wollte das Bistum Limburg Akzente setzen bei der Frage, wie eine Großstadt mit den Themen Tod und Trauer umgeht. Zeitgleich mit der Auflösung der katholischen Pfarrei im Jahr 2007 wurde in St. Michael das Zentrum für Trauerseelsorge eingerichtet. St. Michael ist seitdem Filialkirche von St. Josef. Zwei Jahre lang sei dafür umgebaut worden, erinnert sich Metzner, der 2009 schließlich gemeinsam mit Schwester Monika und anfangs mit einer Aachener Franziskanerin die Arbeit aufnahm.

Der Schwerpunkt liegt bis heute auf der christlich geprägten Trauerseelsorge und der Einzelbegleitung von Trauernden. Mal seien das einmalige Gespräche, mal, wie im Falle einer alten Dame, entwickelten sich daraus eine ganze Reihe von Treffen. "Es kommen viele Leute, die mit Kirche nichts am Hut haben, auch aus Orten jenseits der Stadtgrenze." Das liege daran, dass Menschen, die gemeindenah leben, in der Regel dort ihre Ansprechpartner fänden, vermutet der Pfarrer. Er frage die Hilfesuchenden aber nicht nach ihrer Konfession. Oft seien es Ärzte oder Psychologen, die diese nach St. Michael schicken. Es spricht sich aber auch immer weiter herum, dass es dort einen "Trauerpfarrer" gibt. Etwa, wenn Metzner und Schwester Monika beim jährlichen Tag des Friedhofs auf dem nahegelegenen Hauptfriedhof präsent sind. "Ich erlebe einen großen Gesprächsbedarf zu den Themen Trauer und Tod, das ist stärker geworden", stellt er fest.

Pfr. Joachim Metzner Entsprechend viele sind daher mit dem Thema befasst. So kamen im vergangenen Jahr 12 ehrenamtliche Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt zur Fortbildung zu ihm, die in Altenheimen Trauernde begleiten. Seit einigen Jahren organisiert er zudem ein jährliches Angebot für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bistums, bei dem auch Besuche eines Friedwaldes oder einer Grabeskirche auf dem Programm stehen. Pfarr­sekretärinnen, die meist erste Ansprech­partner in Trauerfällen sind, ließen sich ebenfalls schulen. Auch die künftigen pastoralen Mitarbeiter des Bistums waren in diesem Jahr zwei Tage lang zum Seminar in St. Michael. "Die klassische Trauer­pastoral hat sich aus der Krankenhaus­seelsorge entwickelt, bisher sind sie dort ausgebildet worden", erläutert Metzner. Das soll auch künftig er übernehmen, der für seine Aufgabe mehrere Fortbildungen unter anderem am Theologisch-Pastoralen Institut in Mainz absolvierte.

Gottesdienste für die Menschen im nahen Umkreis der Kirche feiert Metzner ebenfalls regelmäßig. Gerade erst war das Fest des Kirchenpatrons, des heilige Erzengels Michael. Freitagsabends gibt es außerdem eine Messe mit Totengedenken. Auch an Allerseelen findet ein besonderer Gottesdienst statt. Und ab und zu übernimmt Metzner, der seit 1993 Priester ist, auch eine Beerdigung auf dem Hauptfriedhof oder dem Parkfriedhof Heiligenstock, immer dann, wenn jemand auswärts gestorben ist und in Frankfurt keiner Gemeinde angehört.

Wenn er seine Aufgabe als Pfarrverwalter im November erfüllt hat, kann sich Joachim Metzner wieder ganz der Trauerarbeit widmen. Er hat dafür noch einige Pläne. Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene schweben ihm vor, für die es bisher wenig gebe. Auch das Thema Migration und Trauer sei wichtig und aktuell. Und es gäbe mittlerweile eine Reihe von Interessenten, die sich gerne in der Michaelskirche begraben ließen. Solch ein Kolumbarium für Urnenbeisetzungen wäre für Frankfurt und das gesamte Rhein-Main-Gebiet wieder eine Premiere.

Text: Sabine Börchers; Bild: Joachim Metzner