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JAN. - JUNI 2017



In St. Josef angekommen
Pfarrer Patrick Irankunda

Wenn Pfarrer Patrick Irankunda in seiner afrikanischen Heimat Ruanda einen Gottesdienst hält, dann spricht er dieselben liturgischen Texte wie in Frankfurt. Dennoch könnte der Unterschied zu einem deutschen Gottesdienst kaum größer sein. „Er ist bei uns sehr lebendig, es wird viel getanzt und laut gesungen“, erzählt der 38-Jährige, der aus einem kleinen Dorf in Ruanda stammt. Der gesamte Gottesdienst dauere auch schon mal zweieinhalb Stunden, dafür ist die Predigt mehr ein Zwiegespräch, bei dem er Geschichten erzählt oder den Anwesenden Fragen stellt. Wie dagegen ein Gemeindeleben in Deutschland aussieht, das wollte Patrick Irankunda, der 2004 in Ruanda zum Priester geweiht und sechs Jahre später nach Frankfurt geschickt wurde, um an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen ein weiterführendes Studium zu absolvieren, erleben, bevor er in seine Heimat zurückkehrt. Deshalb entschied sich der 38-Jährige, als er kürzlich seine Promotionsarbeit im biblischen Fach (Neues Testament) abgegeben hatte, noch mindestens ein Jahr in einer Gemeinde zu arbeiten. Seit November 2016 ist er nun mit einer halben Stelle in der Pfarrei St. Josef Frankfurt tätig. Hier hält er Gottesdienste und andere Sakramente, macht auch Beerdigungen und versucht vor allem, möglichst viele Menschen der Pfarrei kennenzulernen.

Kurz nach seiner Einstellung durfte er bereits die Christmette in St. Josef übernehmen. „Das hatte ich nicht erwartet. Es war ein bisschen aufregend“, gibt er zu. Aber die Mitarbeiter der Gemeinde hätten ihn sehr unterstützt und alles mit ihm gemeinsam vorbereitet und geprobt. „Als ich gemerkt habe, wie sehr mir die anderen helfen, habe ich mich sicher gefühlt.“ Und so wirkte er dann auch beim Gottesdienst, selbst, als zu Beginn das Mikrofon kurz ausfiel.

Er habe die Gemeinde in seinen ersten Wochen als international und sehr offen erlebt, sagt er. Viele seien auf ihn zugekommen. Heimweh nach Ruanda hat er trotzdem. „Besonders an Weihnachten hat mir meine Familie sehr gefehlt.“ Patrick Irankunda ist in einer katholischen Familie mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Als Junge ging er auf ein priesterliches Gymnasium. „Ich habe dort auch gewohnt. Es gab täglich Messen und Gebete, ich bin damit aufgewachsen. Das hat mir geholfen, in mir zu spüren, dass ich Priester werden kann“, erzählt er. Seine Eltern hätten ihn darin immer unterstützt, obwohl dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 auch viele Priester zum Opfer fielen. Ein besonderes Erlebnis ließ ihn zudem eine Berufung fühlen: Als er eines Tages mit vielen Menschen zu einem Gottesdienst wollte, und der Priester nicht kam, erlebte er, wie diese singend und betend stundenlang warteten. „Ich habe gesehen, dass diese Menschen Durst auf das Wort Gottes hatten. Ich habe in diesem Moment gefühlt, dass ich mithelfen kann, das Wort Gottes weiterzugeben.“

Das tut er nun erst einmal in der Pfarrei St. Josef. Im Sommer steht noch die so genannte Verteidigung seiner Promotionsarbeit an, dann wird er voraussichtlich seinen Doktortitel erhalten. Wie lange er danach noch in Frankfurt bleibt, kann er noch nicht sagen. „Ich bin aber hergeschickt worden, um hier zu studieren und dann nach Hause zurückzukehren. Das werde ich tun.“

Text: Sabine Börchers