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Augenblick zu Allerheiligen

Augenblick zu Allerheiligen
Augenblick zu Allerheiligen
© Pixabay

Aus dem Matthäusevangelium (Mt 5,1-12a)

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.


AUGENBLICK

Der verstorbene Rottenburger Bischof Moser hat bei seinen Firmungen die Jugendlichen nicht nur nach dem Vornamen, sondern auch gleich nach dem Namensheiligen gefragt. Als Monika ihre Namenspatronin nicht kannte, wollte er ihr eine Brücke bauen, indem er sich nach ihrem berühmten Sohn erkundigte. Darauf antwortete sie entsetzt:“ Aber, Herr Bischof, Heilige haben doch keine Kinder!“

Bei dieser amüsanten Geschichte kommt deutlich zum Vorschein, welche Vorstellungen über Heilige so im Umlauf sind. Heilige haben keine natürlichen Bedürfnisse, keine Sexualität, eigentlich wäre ihr richtiger Ort von Anfang an der Himmel. In diesem Zusammenhang fällt mir der Satz von Oscar Wilde ein:  „Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass jeder Heilige eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft hat. “ Vom Heiligen wird gesagt, dass er eine Vergangenheit hat. Durchaus doppeldeutig, eine Vergangenheit haben. Meist geht es bei dieser Aussage nicht um die Herkunft oder gemachte Erfahrungen, sondern um Abgründe, um Stolpersteine, um „Sünden“ auf dem Lebensweg. Der Heilige, kein unbeschriebenes Blatt! Vom Sünder wird behauptet, dass er eine Zukunft hat. Doch von einem Sünder haben wir ja unsere Vorstelllungen. Wir legen ihn oft fest, verhaften ihn in der Vergangenheit, nageln ihn ans Kreuz der Ausweglosigkeit, eröffnen ihm keine Perspektive. Doch genau umgekehrt wird hier gesagt: Der Sünder hat eine Zukunft. Die Erzählung vom barmherzigen Vater aus dem Lukasevangelium (Lk 15,11-32) mit seinen Söhnen ist hier ein gutes Beispiel. Und lässt den Schluss zu: Eine Vergangenheit zu haben, ist keine Hindernis auf dem Weg der Heiligkeit, das lehren uns alle Bekehrten: Es ist eine Vergangenheit mit Zukunft.

 

Pfarrer Markus Schmidt
Pfarrer und leitender Priester
Eichwaldstraße 4160385Frankfurt am Main
Tel.:069 / 40 56 588 10
Fax.:069 / 40 56 588 15

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