Kategorien &
Plattformen

AugenBLICK

AugenBLICK
AugenBLICK
Ökumene Kreuz Köln. In seiner monstranzartigen Scheibe verschmilzt das Zeichen für Christus mit der Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Künstler: Raphael Seitz (+2015 ), Herbrechtingen. © Bilderdatenbank Köln/Sascha van den Broek

Der eine Leib und die vielen Glieder (1 Kor 12,12–31a )

Wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib.

Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn? Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.

Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib? So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit umso mehr Anstand, während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit.

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen erstens als Apostel eingesetzt, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Machttaten zu wirken, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle übersetzen?

Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!

Liebe Leserinnen und Leser,

in der 2. Lesung an diesem Sonntag ist die Rede vom berühmten Gleichnis des einen Leibes der Kirche mit ihren vielen Gliedern. Paulus ist besorgt um das Auseinanderbrechen seiner noch ganz jungen Gemeinde in Korinth. Und er vergleicht die verschiedenen Begabungen, mit denen jeder Einzelne die Gemeinde bereichert, mit den einzelnen Körperteilen eines Menschen. Wie jedes Organ im Körper eines Menschen, so hat jeder in der Gemeinde seine besonderen Fähigkeiten. Diese sind ihm von dem einen Gott gegeben und für den Aufbau unentbehrlich. Mit der Taufe verbindet uns alle der eine Geist, den uns Jesus Christus durch seine Menschwerdung als Beistand hinterlassen hat. Paulus bittet die Gemeindemitglieder eindringlich, alle diese verschiedenen Begabungen für die Einheit der Gemeinde einzusetzen, weil sie nur so das Geheimnis ihres Lebens im Geist Gottes verstehen, weil sie nur so das Reich Gottes in Liebe und in Achtung voreinander verwirklichen können.

Der hl. Augustinus weist Neugetaufte auf die Bedeutung des Empfangs der Eucharistie mit den Worten hin: „Wenn du also den Leib Christi verstehen willst, höre den Apostel, der den Gläubigen sagt: ‚Ihr aber seid der Leib Christi und seine Glieder‘ (1 Kor 12,27). Wenn ihr also Leib und Glieder Christi seid, dann liegt euer Geheimnis auf dem Tisch des Herrn: Euer Geheimnis empfangt ihr… Du hörst: Leib Christi, und antwortest: Amen. Sei ein Glied am Leib Christi, damit dein Amen wahr sei! ... Seid, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid.“ (Sermo 272)

Als Kinder Gottes sind wir also der lebendige Leib Christi und eine große Familie. In einer Familie stellt man nicht den Wert der Geschwister, Eltern, Kinder in Frage. Wir freuen uns gegenseitig an ihrem Dasein. Wir helfen uns gegenseitig mit Christi Augen, seinen Händen und Füßen, seinen Lippen. Schwache werden von den Starken gestärkt. Man lernt voneinander, die Kleinen von den Großen und umgekehrt. Und wir wissen, dass das Leben Phasen hat, wo starke Mitglieder der Familie schwächer werden können und das schwache plötzlich, wie es in 1 Kor 12,22 heißt, „unentbehrlich“ werden kann. Wir können manchmal unsere Rollen wechseln, uns können bisher ungeahnte Fähigkeiten zuwachsen, es kann Zeiten geben, wo uns die Benachteiligten eine wichtige Erkenntnis aufzeigen, uns den Weg weisen zu mehr Menschlichkeit. Damit jeder leben und in Liebe wachsen kann, ist es wichtig, einander mit Wertschätzung und Aufmerksamkeit zu begegnen. Gott hat jedem von uns „Gnadengaben“ geschenkt, deshalb dürfen wir weder die der andern noch die eigenen vernachlässigen. Alles hat seinen Sinn im großen Leib Christi. Jesus Christus selbst äußerte den Wunsch: „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21).

Seit Dienstag, 18. Januar, begehen die christlichen Kirchen in Ost und West die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Das, was Paulus auf die zunächst kleine Kirche in Korinth bezieht, können wir auch auf die große Gemeinschaft der christlichen Kirchen beziehen. Jede von ihnen ist Teil des einen Leibes Christi. Jede von Ihnen bringt uns mit ihrer Sicht und ihrer teils langen Tradition in der Wahrheitssuche ein Stück weiter, weil sie uns mit Perspektiven, Lebensentwürfen, Glaubenssätzen und Fragen konfrontiert, die die Sicht auf unser gemeinsames Evangelium und unseren Glauben nur bereichern können. Es hat immer Menschen in Ost- und Westkirchen gegeben, die anderen Kirchen prophetisch, spirituell, als Lehrer, als Mahner oder als Vorbild der Heiligkeit gedient haben. Und sie haben oft einen bestimmten, vernachlässigten Aspekt des Evangeliums wieder in den Vordergrund gerückt.

Wir sind auf dem Weg zur Einheit. Wie Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. es formulierten,  „haben wir bereits die Pflicht, gemeinsam die Liebe Gottes zu allen Menschen zu bezeugen, indem wir im Dienst der Menschlichkeit zusammenarbeiten“ (Gemeinsame Erklärung des Heiligen Vaters Papst Franziskus und des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., Jerusalem (25. Mai 2014), zit. in Fratelli tutti, 280). Das gilt für die Familie, die Pfarrei, unsere Kirche, alle christlichen Kirchen, und darüber hinaus.

Dass uns das gelingt, wünsche ich uns allen.

Ihre Pastoralreferentin Andrea Rockermeier

Christus hat niemanden auf Erden außer euch, keine Hände außer die euren, keine Füße außer die euren. Deine Augen sind es, durch die Christi Erbarmen auf diese Welt blicken will. Deine Füße sind es, mit denen Er umhergehen will, um Gutes zu tun. Deine Hände sind es, mit denen Er die Menschen jetzt segnen will.
(Teresa von Avila)

Andrea Rockermeier
Pastoralreferentin
Wilhelmshöher Straße 6760389Frankfurt am Main
Tel.:069 / 40 56 588 93
Fax.:069 / 40 56 588 95

Cookie Einstellungen

Statistik-Cookies dienen der Anaylse, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden.

Anbieter:

Bistum Limburg

Datenschutz