Kategorien &
Plattformen

Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen

AUGENBLICK - ein Gedanke aus dem Einblick 2019/11
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen

Liebe Mitchristen,

Umkehr – dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Fastenzeit. Mit den Worten „Kehre um und glaube an das Evangelium“ wurde uns am Aschermittwoch das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet. Heute, am dritten Fastensonntag, fordert Jesus mit einem schwierigen Gleichnis erneut und eindringlich zur Umkehr auf.

Dieses Gleichnis handelt von einem unfruchtbaren Feigenbaum. Drei Jahre lang hat er keinerlei Früchte getragen. Daher will der Besitzer den nutzlosen Baum jetzt umhauen lassen. Doch der Winzer setzt sich dafür ein, ihm eine letzte Chance zu geben: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.“ Ob der Aufschub etwas bewirkt, erfahren wir nicht. Das Ende bleibt offen. Deutlich wird aber, wie ernst die Situation ist.

Ich glaube, jeder von uns weiß aus eigener Erfahrung, dass Umkehr nicht von allein geschieht. Wir haben die verschiedensten Taktiken entwickelt, um sie zu vermeiden. „So schlimm ist es ja gar nicht.“ „Ich warte jetzt erst einmal ab, und wenn es soweit ist, dann sehe ich weiter.“ Eine befristete Zeit wie die Fastenzeit kann den nötigen Anstoß geben, doch damit anzufangen. Bin ich noch auf dem richtigen Weg? Wo tue ich mir und anderen nicht gut? Und wo habe ich Gott aus dem Blick verloren?

Umkehr bedeutet für uns Christen, sich zu Jesus hin zu wenden, im Blickkontakt mit ihm  eigene Gewohnheiten zu überdenken und Schritte der Veränderung zu gehen. Er will uns zum Leben führen. Dazu ist es manchmal eben auch notwendig umzukehren. Und das gilt nicht nur für den einzelnen Christen, sondern auch für die Kirche als Institution.

Ihre Pastoralreferentin Regina Schwarzer