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"Mensch, wo bist Du?"

Was das Hungertuch 2019 von MISEREOR bedeutet. / Themenabend in Heilig Geist
"Mensch, wo bist Du?"
"Mensch, wo bist Du?"
Das Hungertuch verhüllt auch den Hochaltar in der Josefskirche. © Benjamin Holler

"Mensch, wo bist du?": Mit dieser Frage sucht Gott die ersten Menschen im Paradies. Das Hungertuch lädt ein, im Entdecken und Entschlüsseln unsere eigenen Antworten zu finden. Die Frage Gottes fordert uns heraus: Wo stehst du und wofür stehst du auf? Wer bist du? Eine Standortbestimmung. Eine Neuausrichtung. Eine Frage, die in den Kern der Verantwortung eines jeden Menschen zielt.

Meditativer Abend zum Hungertuch

Am 20. März um 19.30 Uhr im Gemeindesaal von Heilig Geist Riederwald, Schäfflestraße 19.

Im Anschluss an den Meditationsabend wird zu einer gemeinsamen Fastensuppe geladen.

Herzliche Einladung!

Diese Frage Gottes wird übrigens gleich im ersten Buch der Bibel gestellt. Sie ist weiter aktuell und überschreibt als Titel das Hungertuch von Uwe Appold aus Flensburg. Der Künstler hat mit Erde aus Jerusalem gearbeitet, die den goldenen Ring und das „gemeinsame Haus“ mit der offenen Tür trägt: Im Zentrum steht die Zusage Gottes, dass seine Liebe besonders die Ausgegrenzten mitten hinein holt.

Mitten in dem herausfordernd kräftigen Blau des Tuches steht – herausgehoben durch einen goldenen Ring – ein unfertiges Haus auf einer Insel mit Erde aus dem Garten Gethsemane. Nach dem Abschiedsmahl mit den Aposteln ist Jesus dorthin an den Rand von Jerusalem gegangen, von wo aus er – dem Rat seiner Freunde folgend – in einer halben Stunde das Hoheitsgebiet des Herodes hätte verlassen können. Jesus rang um das Ja zu seinem Auftrag, während die Jünger, die sein Handeln infrage stellten, neben ihm einschliefen. Seiner Berufung treu bleibend ist Jesus dort verhaftet worden.

"Wer die Frage ‚Mensch, wo bist du?‘ ernst nimmt, wird zugleich in sich selbst hineinhören. Was mache ich gegen die Zerstörung der Schöpfung, die Ungerechtigkeit und die soziale Not? Wo stehe ich in diesem einen, gemeinsamen Haus?"

UWE APPOLD, Künstler

Erläuterungen zum Hungertuch von Dr. Claudia Kolletzki, MISEREOR

Leuchtendes Blau, rissige Erde, rot umrandete Steine, ein leuchtend-goldener Ring, geheimnisvolle Schriftzeichen, Kreuze und eine rot-blau bekleidete Figur. Die Symbolsprache des Künstlers Uwe Appold fordert uns zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem Bild auf: „Ich erwarte nicht, dass die Betrachtenden alles nachvollziehen, was ich hineingesteckt habe. Ich wünsche mir, dass die Menschen ihre eigenen Geschichten einbringen in das, was ich gemalt habe.“

  • DAS BLAU Das tiefe und leuchtende Blau steht für das lebensnotwendige Wasser und den unendlichen Himmel. In der christlichen Symbolsprache ist es die Farbe des Glaubens, der Zuverlässigkeit und der Treue. Maria als Mittlerin und Himmelskönigin wird oft mit blauem Mantel dargestellt: Blau verbindet Erde und Himmel.

  • DAS ROT Rot steht symbolisch für die Liebe und das Leiden. Gleichzeitig ist es die Farbe des Heiligen Geistes (Pfingsten).
  • DIE ERDE Die Erde stammt aus dem Garten Gethsemane in Jerusalem, dem Garten, in dem Jesus verhaftet worden ist. Erde trägt diese Vergangenheit in sich und lässt aber auch Neues wachsen. Diese Erde erinnert daran, dass unser Planet Heimat aller Geschöpfe ist und uns als Lebensraum anvertraut ist.
  • DIE STEINE Die Steine waren in der Erde aus Jerusalem enthalten. 12 Steine als Zeichen für die 12 Apostel, die 12 Stämme Israels, die das Land bebauten und die 12 Monate wurden in das Bild hineingesetzt als „Stolpersteine“, an denen wir uns reiben und Entscheidungen reifen lassenkönnen.
  • DER RING Der Ring als Symbol des Himmels und der Unendlichkeit enthält in sich Anfang und Ende. Er symbolisiert hier Gottes unbedingte Zusage seiner Liebe, die allen Menschen und in besonderer Weise den Ausgegrenzten gilt. Gold ist der wertvollste Grundstoff und drückt Gottes Herrlichkeitaus.
  • DAS HAUS Unser „gemeinsames Haus“ im Zentrum ruht geborgen in der Liebe Gottes. Es ist unfertig als Zeichen dafür, dass wir alle daran bauen und Lösungen für die derzeitigen Krisen finden müssen. Das Haus ist aus Erde vom Garten Gethsemane geformt.
  • DIE SCHRIFT Ins Blau hat der Künstlergeheimnisvolle Schriftzeichen gesetzt, die wir entschlüsseln können. Sie sind eingerahmt von einem roten Kreuz und den griechischen Anfangsbuchstaben für Jesus Christus: IX. Das Unendlichkeitszeichen ist zur 8 aufgestellt: Gott hat uns als aufrechte Menschen geschaffen, die Verantwortung übernehmen.
  • DIE FIGUR Die Figur, Mann oder Frau, ist bekleidet in rot-blaues Textil und nicht mehr nackt wie im Paradies. Sie hat Kontakt zur Erde und öffnet die Arme zum Himmel. So überschreitet sie die Grenzen des Bildes. Die geschwungene Edelstahl-Stange mit eingekerbtem Christus-Zeichen hat die Form einer offenen Schale: der Mensch nimmt Gottes Wort auf und trägt es weiter. In der Zusage der Liebe Gottes wird sein Schatten hell.
© MISEREORDas MISEREOR-Hungertuch 2019/2020 „Mensch, wo bist du?“ von Uwe Appold