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Ostern mal anders

Ein Augenblick zum Nachdenken und Innehalten
Ostern mal anders
Ostern mal anders
© Benjamin Holler

Liebe Christinnen, liebe Christen,

in den Tagen vor Ostern ist es heuer stiller: keine Rede von Kurzurlaub, kaum Werbung für den Festtagsmenu-Einkauf im Radio – gut so, finde ich. Das sonst übliche hektische Treiben vor den Feiertagen ist ersatzlos gestrichen. Es scheint eine Zeit der leiseren, nachdenklicheren Töne angebrochen. Da kommen Botschaften durch, die sonst in der allgemeinen Betriebsamkeit untergehen:

Vielstimmiges „Danke“ ist zu hören an all jene, die uns durch ihren Einsatz durch die Corona-Krise bringen. Berufsgruppen, die sonst oft übersehen werden, bekommen Anerkennung, weil sie etwas tun, was allen dient. Wir hören hin, dass viele Menschen aufeinander achten und ganz selbstverständlich nachbarschaftliche Hilfe anbieten, damit die Schwachen geschützt werden. Es wird überlegt, wie finanzielle Hilfen bei allen ankommen, die es brauchen, nicht nur bei den „Großen“. Bürgerschaftliches Engagement organisiert sich kreativ und wirksam; Kirche und Caritas mischen mit im Netzwerk der Hilfe. Leute reden wieder über das, was im Leben eigentlich wichtig ist: Gemeinsinn, Solidarität, füreinander da sein.

Und das geschieht in einer Zeit, wo eine Krise unbekannten Ausmaßes die Leute an ihre Grenzen bringt. Ich hätte nicht darauf gewettet, dass eine derart tiefgreifende Erschütterung bei so vielen Menschen so viel Gutes hervorbringt. Die Oberflächlichkeit, die Hektik, der Konsumrausch und Handlungsweisen, die mich dankbar und zuversichtlich stimmen. Ich deute das in der österlichen Zeit schon als „Lebenszeichen“.

Ich staune, wie viele Leute, die offenkundig sonst wenig mit Kirche am Hut haben, Werte und Handlungen mit uns ChristInnen teilen: Das Eintreten für das Leben, der Aufstand gegen den Tod, das gemeinsame Arbeiten an einer Zukunft.

Die Botschaft von Ostern ist in der Welt, glauben Sie mir!

Gabriela von Melle

Dass wir die Auferstehungsbotschaft in diesem Jahr nicht in den Gottesdiensten in unseren Kirchen hören können, schmerzt. Diese Botschaft verhallt aber deswegen nicht, sie wird sogar mitten in unserer Gesellschaft vernehmbar – durch jeden, der sich aktiv für das Leben einsetzt und anderen dadurch ein Hoffnungszeichen ist. Das klingt zwar anders als eine Osterpredigt, da ist kein Halleluja und erst recht kein Weihrauch.

Aber die Botschaft von Ostern ist in der Welt, glauben Sie mir! Oder wie soll ich es sonst verstehen, wenn inmitten existentieller Ängste Menschen an eine Zukunft glauben? Trotz der Schreckensbilder von unzähligen Corona-Toten glauben Menschen an das Leben und geben nicht auf. Da ist doch eine österliche Hoffnung in ihnen wirksam – oder wie würden Sie das nennen?

Corona-Parallele in der Bibel

Das Evangelium der Osternacht erzählt von den Frauen, die in der Frühe zum Grab gingen; der Stein war weggewälzt. Und dann war da der Engel, der ihnen die Auferstehung verkündete. Das alles sollten sie den Jesusjüngern erzählen. Und noch einen Auftrag bekamen sie: sie sollen den Jüngern ausrichten, Jesus würde ihnen nach Galiläa vorausgehen und dass sie ihn dort selbst sehen würden. Wieso ausgerechnet in Galiläa? Weil Galiläa für ihren Alltag steht. Für all das, was es Tag für Tag auszuhalten und durchzustehen gilt. Das ist der Ort, wo die Hoffnung und das neue Leben sich sehen lassen wollen. Hier wird es sich zeigen – nicht zuerst im Tempel oder in frommen religiösen Ritualen.

Diese „Spitze“ der Osterbotschaft fällt mir in diesem Jahr besonders auf – weil sie eine so deutliche Parallele zu unserem Alltag in Deutschland in Corona-Zeiten hat. Manchen mag das befremden, ich finde es spannend. Und auch ermutigend: wenn in meinem Alltag schon etwas wirksam wird, das mir von der großen, befreienden Perspektive meines Lebens und Sterbens erzählt, dann ist das wirklich wie ein strahlendes Licht in dunklen Zeiten!

Ich wünsche mir, dass dieses Licht vielen an Ostern aufleuchtet und eine Ahnung von Auferstehung auch dann erhalten bleibt, wenn wir in einigen Wochen aufatmen und sagen können: alles wird gut.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest 2020!

Ihre Gabriela v. Melle, Pastoralreferentin

Gabriela von Melle
Pastoralreferentin
Schäfflestraße 1960386Frankfurt am Main
Tel.:069 / 40 56 588 71