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Chronik 1872 bis 1931

Ein Gang durch die Geschichte der Alten Josefskirche
Chronik 1872 bis 1931
Chronik 1872 bis 1931

Schon bald bestand das Bedürfnis, dass die Bornheimer Katholiken sich eine Kirche errichten wollten. Trotz großer Schwierigkeiten startete der provisorische Kirchenvorstand mit den Vorhaben.

Wegen fehlender Rechtsfähigkeit mussten alle Rechtsgeschäfte durch den Kirchenvorstand der kath. Gemeinde Frankfurt getätigt werden. Es fehlte aber auch an den nötigen Geldmitteln, sodaß der Bonifatiusverein um Finanzierungshilfen angegangen wurde. Außerdem herrschte auch noch Kulturkampf in Preussen, was für die kath. Kirche auch größte Schwierigkeiten bedeutete.

Die Josefskirche wird gebaut

10. 10.1874:   Die Kirchenbaupläne der Bornheimer Missionsgemeinde werden genehmigt durch das Bischöfliche Ordinariat. Vorhergegangen war die Genehmigung durch die königlich-preußische Regierung am 21.09.1874. Architekt Maximilian Meckel hatte die Pläne erstellt auf der Grundlage der Frankfurter Johanniterkirche, die damals an der Ecke Fahrgasse und Schnurgasse (heute Berliner Straße) bereits dem Verkehr weichen musste.

09.03.1875:   Das Grundstück für den Kirchenbau wird erworben durch den Kirchenvorstand Frankfurts - also der Domgemeinde -, wohingegen das provisorische Pfarrhaus mit Garten von Buzzi für die spätere Pfarrei Bornheim reserviert wurde. Der Bornheimer Kirchenvorstand konnte, da die Gemeinde noch nicht kanonisch als Pfarrei errichtet und damit auch keine juristische Person war, kein Eigentum erwerben. Der aus Leyden in Holland gebürtigte Frankfurter Kaufmann Johann Vincenz Buzzi hatte bereits 1871 den 2.095 Quadratmeter großen Bauplatz für den Kirchenneubau erworben von den Eheleuten Karl Friedrich Anton Schultheiß und Therese Karoline, geb. May.

11.06.1876:   Der Grundstein für die Bornheimer Kirche wird gelegt. Ursprünglich befand er sich am Haupteingang der alten Kirche in der Eichwaldstraße. Bedingt durch die Umbauarbeiten 1931 wurde er in die Chorwand der Alten Josefskirche eingemauert.

23.09.1877:   Die Bornheimer Missionskirche wird benediziert durch den Frankfurter Stadtpfarrer Ernst Franz August Münzenberger, der der Gemeinde auch den wertvollen Hauptalter geschenkt hatte. Der Bornheimer Pfarrer Dr. Heinrich Rody konnte diesen Tag nicht mit seiner Gemeinde feiern. Eine kulturkämpferische Obrikeit hatte den aufrechten Kirchenmann für drei Strafmonate im Kloster Eberbach, das als Gefängnis in dieser Zeit diente, festgesetzt. Nach seiner Rückkehr, so berichtet die Chronik, predigt er als erstes über das Thema: "Für die Wahrheit schreibe ich, für die Wahrheit leide ich, für die Wahrheit stehe ich".

Postkarte herausgegeben 1902 anlässlich der Fahnenweihe des kath. Arbeitervereins Bornheim. Dargestellt sind die alte St. Josefskirche, das Arbeiter-Wohnhaus Heidestraße 62 (unten links) und die heutige "Burg der Kinder" das damalige Kinderheim Heidestraße 62 Hinterhaus (oben rechts)

Da Bornheim am 1. Januar 1877 nach Frankfurt eingemeindet wurde, war die Bornheimer Kirche nach 480 Jahren die erste neue katholische Kirche in Frankfurt am Main; die letztgebaute Kirche war die 1393 als katholisch erbaute St. Peterskirche. Zur Reformation verändert, wurde sie 1895 abgebrochen. - Im Jahre 1350 hatte Frankfurt bei 9.000 Einwohnern 15 Kirchen und 7 Klöster.

24.09.1890:   Die katholische Kirchengemeinde Bornheim wird durch Bischof Dr. Karl Klein zur Pfarrei erhoben. Die Bestätigung der Königlichen Regierung Preußens erfolgt am 30.09.1890.

25.08.1895:   Weihe der Bornheimer Kirche durch den Limburger Bischof Dr. Karl Klein, die nunmehr offiziell nach dem Nährvater Jesu, dem hl. Joseph, benannt wurde. In den Jahren 1893 bis 1895 war die Kirche durch den Architekten Max Meckel um niedrige Anbauten  an beiden Seiten des Hauptschiffes, von den Bornheimern liebevoll Schwalbennester genannt, vergrößert worden. Das Kirchweihfest der Josefskirche wird am Sonntag vor Maria Himmelfahrt (15. August) gefeiert, an welchem Tag von jeher die "Bornheimer Kerb" stattfand.

Schwesternhaus in der Eichwaldstraße 40

Soziales Engagement durch die Dernbacher Schwestern

08.04.1871:   Die von Pfarrer Dr. Rody nach Bornheim gerufenen Dernbacher Schwestern gründen eine Niederlassung zur Krankenpflege in Bornheim. Ihr erstes Heim war eine Wohnung in der Sternstraße 6 (heute Roßdorfer Straße). Gab es Anfangs nur 2 Schwestern in Bornheim und die Zahl der gepflegten Kranken und der Nachtwachen recht gering, stiegen diese doch rasch an, sodass bereits 1876 die fünfte Schwester nach Bornheim kam.

Bereits 1874, noch bevor die kath. Kirche gebaut wurde, konnte auf einem Bauplatz in der Waldstraße (heute Eichwaldstraße 40), der der Gemeinde von Frau May geschenkt wurde, mit dem Bau eines Schwesternhauses begonnen werden, in das die Schwestern schon im Juni 1875 einziehen konnten. Noch war nicht alles fertig eingerichtet und so dauerte es bis zum 18.08.1877 bis die kirchliche Einweihung als Klösterchen durch Pfarrer Rody erfolgen konnte.

Seit Februar 1879 leiteten die Schwestern außerdem die winterliche Suppenanstalt, in der bis zu 300 Kinder der ärmeren Bornheimer Bevölkerung einmal am Tage mit einer warmen Suppe verköstigt wurden. Die erforderlichen Mittel für die Suppenanstalt wurden durch den Elisabethenverein besorgt, allerdings sah man sich bereits 1880 wegen knapper Geldmittel genötigt die Kinder zu teilen, sodass ein Tag die Mädchen und den anderen Tag die Knaben Suppe erhielten.

In den 1890er Jahren hatte die Gemeinde neben der Kirche die Grundstücke Berger Straße 133 und Heidestraße 62 erworben, was nur mit hohen Schulden und Bettelei des Pfarrers in ganz Deutschland möglich war.

19.04.1893: In der ehemaligen Formerwerkstatt, dem St. Josefsheim, auf dem Grundstück Heidestraße 62 wurde die erste kath. Kinderbewahranstalt Frankfurts eröffnet, die bis zu 100 Kinder besuchen konnten. Das Gebäude diente weiterhin den Jünglingen des St. Josefsvereins als Versammlungsstätte und wurde ab Mai 1895 auch als Näh- und Flickschule für die heranwachsenden Mädchen genutzt.

Das erste St. Josefsheim - die ehemalige Formerwerkstatt - in der der erste kath. Kindergarten Frankfurts gegründet wurde.

Gemeinnützige soziale Bautätigkeit

Wohnhaus Berger Straße 133 und St. Josefsheim

Obgleich nicht im Sinne des Bischöflichen Ordinariats, können Pfarrer Königstein und der Kirchenvorstand sich mit ihren Plänen zur Errichtung von Wohlfahrtseinrichtungen neben der Josefskirche durchsetzen und es begann eine rege Bautätigkeit auf dem Geländestreifen von der Berger Straße bis zur Heidestraße. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass an beiden Straßen je ein Wohngebäude errichtet wurde, deren Einnahmen zum Unterhalt der anderen Gebäude dienen sollten. Es waren geplant Versammlungsgebäude mit Mädchenheim, neues Schwesternhaus, Krankenhaus und ein Kinderhaus.

05.06.1903: Im Hintergebäude des bereits im Juli 1902 fertiggestellten Arbeiterwohnhauses Heidestraße 62 wurde das Kinderheim eröffnet, Heimstatt für Kindergarten, einem Kinderheim mit 30 Plätzen und der Nähschule.

Der Festsaal im St. Josefsheim

06.09.1903: Ein Festtag für die Gemeinde war die Eröffnung des neuen St. Josefsheims mit einem Festsaal mit Bühne und umlaufender Balustrade. Im zweiten Stock waren noch zwei weitere Versammlungsräume und der Erstkomunikantenraum. Darüber in der dritten Etage Schlafraum und einige kleine Zimmer des Mädchenwohnheimes, in dem 30 ledige junge Frauen wohnen konnten.

Bedingt durch hohe Hypotheken, die für die Finanzierung der Baumaßnahmen erforderlich waren, musste der Bau von Schwesternhaus und Krankenhaus zurückgestellt werden.

Neues Schwesternhaus und Notkirche

Notkirche und Schwesternhaus

10 Jahre später setzt die Bautätigkeit in St. Josef wieder ein. Inzwischen war die Gemeinde auf 17.000 Mitglieder angewachsen, die kleine Josefskirche genügte dem Andrang der Menschen nicht mehr. Dringend war der Bau einer weiteren Kirche erforderlich. Aber auch das Schwesternhaus Eichwaldstraße 40 war inzwischen zu klein geworden, so entschloss sich der Kirchenvorstand dazu zusammen mit der Notkirche auch das Schwesternhaus zu errichten.

16.03.1913: Grundsteinlegung für Notkirche und Schwesternhaus. Das Gebäude wird im Anschluss an das Josefsheim errichtet, so wie es in den alten Plänen bereits vorgesehen war. Die Notkirche, die die schlimmste Raumnot bis zur Errichtung einer weiteren Kirche in Bornheim lindern soll, wird im Erdgeschoss untergebracht, wobei der Bauplan so gestaltet ist, dass eine spätere Verwendundung des Raumes für Zwecke der Schwestern, durch stellen einiger Wände möglich ist.

19.03.1914: Nach einer Bauzeit von nur einem Jahr kann die Notkirche, mit Platz für rund 1000 Gläubige, geweiht werden. Neben den 4 Sonntagsgottesdiensten in der Josefskirche finden von nun an 3 Gottesdienste in der Notkirche statt: 6.00 Uhr, 9.30 Uhr Kindergottesdienst der Knaben, 11.00 Uhr Kindergottesdienst der Mädchen.

Kreuzaltar in der Notkirche

Im Sockelgeschoss des Neubaues sind Küche, Wäscherei und ein 60m2 großer Raum für die Suppenanstalt gelegen. Im Obergeschoss sind Räume für zwei Kaplanswohnungen und 7 Penionäre sowie der Schwesternschlafraum vorhanden. Das 2. Stockwerk enthält einige Schwesternzimmer und Unterkunft für weitere 8 Zimmer für Pensionäre. Das 3. Stockwerk dient der Erweiterung des Mädchenheimes mit 3 gräßeren Sälen und 9 Einzelzimmern, sodass sich dessen Kapazität von vor 30 Plätzen nahezu verdoppelt.

Nur ein halbes Jahr nach Einweihung der Notkirche befindet sich Deutschland im ersten Weltkrieg. Im Josefsheim werden der Festsaal und zwei weitere Räume im 2. Stock als Lazarett eingerichtet. Auch im Schwesternhaus werden in den leeren Räumen 17 Betten für das Lazarett zur Verfügung gestellt. Die Chronik der Pfarrei nennt allein 335 Bornheimer Katholiken, die als Soldaten ihr Leben verloren.

Es folgen die Notzeiten des Krieges und der Inflation und Weltwirtschaftskriese. Das mühsam angesammelte Geld für die zweite Bornheimer Kirche verliert seinen Wert. Pfarrer Knödgen geht am 1.12.1925 in Pension und sein Nachfolger Pfarrer Höhler erhält die vordringliche Aufgabe, die Kirchenraumnot in Bornheim zu beseitigen, war die Zahl der Katholiken doch schon auf über 20.000 gestiegen.

Die Heilig Kreuz Kirche am Bornheimer Hang, zweite kath. Kirche in Bornheim

Heilig Kreuz am Bornheimer Hang wird gebaut

18.03.1928: An der Kettelerallee wird der Grundstein für die Heilig Kreuz Kirche gelegt. Vorausgegangen war ein Architekten-Wettbewerb bei dem der Frankfurter Martin Weber mit seinem Entwurf "Hangkrone" den ersten Platz belegt hatte. Nach geringfügigen Änderungen an diesem Entwurf, wurde die Kirche dann auch realisiert.

25.08.1929: Nach nur 18 monatiger Bauzeit wird genau 34 Jahre nach der Konsekration der Josefskirche die Heilig Kreuz Kirche durch den Mainzer Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo geweiht. Er vertritt den Limburger Diözesanbischof Dr. Augustinus Kilian, der die Weihe infolge Erkrankung nicht vornehmen konnte. Erster Pfarrer in dem neuen Bornheimer Seelsorgbezirk wird Georg Nilges. Es sollte noch bis zum 1. April 1950 dauern bis aus der Pfarrvikarie eine eigenständige Pfarrgemeinde wurde. 2007 wird Heilig Kreuz als Pfarrkirche aufgegeben und es entsteht dort das Zentrum für christliche Spiritualität und Meditation.

Das Pfarrhaus an der Ecke zur Berger Straße und die Josefskirche in der Eichwaldstraße

Letzter Gottesdienst in der Alten Josefskirche

Trotz Errichtung der Heilig Kreuz Kirche waren die Tage des alten Josefskirchlein gezählt. Im ersten Jahr nach Fertigstellung der Heilig Kreuz Kirche wurden dort sonntags 1.500 Kirchenbesucher gezählt, während in der Josefskirche und der Notkirche deren Zahl 3.800 betrug. Es ist daher leicht zu erkennen, dass weitere Baumaßnahmen erforderlich waren. Statt eines Abrisses wurde entschieden die Josefskirche durch einen Neubau zu erweitern.

25.10.1931:   Letzter Gottesdienst in der 1876/77 errichteten alten Josefskirche, denn die Bauarbeiten zur Erweiterung der Josefskirche erfordern den Teilabriss der der Berger Straße zugewandten Seitenwand der alten Josefskirche. Abgebaut wurde auch die Orgelempore, da das hintere Kirchenschiff ab dem Querschiff zum neuen Chor der Josefskirche umgestaltet wurde.